Beschluss: Landwirtschaft und Energie

Gemeinsamer Beschluss der BAG Landwirtschaft & ländliche Entwicklung und BAG Energie (2021)

Eine aufbauende, ökologische, klimaneutrale und vielfältige Landwirtschaft zusammen mit dem Flächenbedarf von 100% Erneuerbaren Energien denken

Die Fläche, unser Land ist Grundlage unseres Lebens. Es versorgt uns mit der Luft zum Atmen. Das Land ist Lebensraum für die biologische Vielfalt, deren Teil wir sind – und versorgt uns mit Lebensmitteln und natürlichen Rohstoffen. Die meiste Zeit unserer Geschichte hat es uns auch mit Energie versorgt. Durch die Nutzung von über viele Jahrmillionen gespeicherten fossilen Energien weit jenseits natürlicher Kreisläufe, haben wir das Klimasystem Erde binnen weniger Jahrzehnte soweit aus der Balance gebracht, dass es nun unkontrolliert zu „kippen“ droht.

Wenn wir die Erderwärmung auf unter 2° C möglichst 1,5°C begrenzen wollen, müssen wir bis 2040 weitgehend klimaneutral sein. Dabei sind sowohl Zeit als auch Fläche begrenzt. Wir müssen schnellstmöglich auf 100% erneuerbare Energien umsteigen, wobei wir Solar- und Windstrom aus guten technischen, ökonomischen und politischen Gründen möglichst dezentral produzieren und verbrauchen wollen. Dafür brauchen wir Platz. Aber auch die Ökologisierung der Landwirtschaft, Reduzierung der Futtermittelimporte aus Übersee, mehr Grünland und Tiere auf der Weide, mehr Naturschutzflächen im Biotopverbund und Schutzgebiete, breitere Gewässerrandstreifen, Wiedervernässung von Mooren – und vieles mehr – brauchen Platz.

Fläche ist ein begrenztes Gut. Das zeigen schon die stetig steigenden Kauf- und Pachtpreise. Diese knappe Ressource müssen wir deshalb intelligent und effizient nutzen. Zur Energiegewinnung, aber auch ökologischen, kreislauforientierten Nahrungsmittelerzeugung sowie zur langfristigen Bindung von Kohlenstoff.

Deshalb denken wir ganzheitlich die das Klima berührenden Politikbereiche Energie, Bauen und Wohnen, Verkehr und eben auch Landwirtschaft und Naturschutz zusammen. Die Zielkonflikte zwischen Naturräumen, Lebensmitteln, Energieerzeugung, Gebäude und Mobilität fest im Blick, haben wir gemeinsam nach Lösungen gesucht und eine Vision in mehreren gemeinsamen Sitzungen erarbeitet. Diese umfasst:

  1. Eine klimapositive und sich auf den Klimawandel einstellende Landwirtschaft
  2. Nachhaltige, sinnvoll integrierte Energieerzeugung, insbesondere
    1. Landschaftlich integrierte Solarenergie
    2. Ausbau der dezentralen Windenergie
    3. flächeneffiziente und biodiversitätsfördernde Bio-Energiegewinnung

 

Wir haben dabei Grundsätze herausgearbeitet, die wir unseren Lösungsvorschlägen voranstellen.

  • Energieeinsparung und Energieeffizienz mindern den Flächenbedarfskonflikt. Die Techniken dafür sind vorhanden – sie sollten konsequent eingesetzt werden. Von Privathaushalten, aber genauso von Kommunen und insbesondere Unternehmen. Denn bis zu 50% Energieeinsparung sind möglich.
  • Nach Stand der Technik werden Wind- und Photovoltaik die tragenden Säulen der Energieerzeugung in Deutschland sein. Das genaue Verhältnis von Wind und Sonnenergie ergibt sich aus einer Abwägung der technisch-ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Dimensionen.
    • Techno-ökonomisch sind die (relativen) Kosten von PV, Wind, Speichern, Netzen etc. entscheidend.
    • Ökologisch ist wichtig, was dem Naturschutz dient und möglichst viel Fläche für Naturräume und eine nachhaltige, bäuerliche landwirtschaftliche Produktion erhält.
    • Gesellschaftlich ist einerseits wichtig was „vermittelbar“ ist und gut ins Landschaftsbild passt.
  • Um dauerhaft Zubau und sinnvolle Integration zu gewährleisten, sollten Erneuerbare Energien, wo immer möglich, behutsam in die Landschaft integriert werden.

Deshalb fordern wir: Ganzheitlich Denken – Doppelnutzen ermöglichen. Da wo Erneuerbare Energien in landwirtschaftliche Flächen integriert werden, sollten sie einen Doppelnutzen haben. Auf extensiv genutzten Flächen können Tiere unter PV-Modulen weiden und Photovoltaik kann Kulturpflanzen vor Starkniederschlägen, Hitzeschäden und Dürren schützen. So kann Agri-Photovoltaik auch positive Effekte auf die Biodiversität, die Tierhaltung und auch die Produktivität haben. Dazu ermöglicht die Energieerzeugung durch Wind und PV landwirtschaftlichen Betrieben auch Mehreinnahmen als Betreiber der Anlagen. Sie dient damit einer wirtschaftlichen Absicherung gegen Ertragsschwankungen und Ausfälle und kann auch einen Umstieg in ökologische oder weniger intensive Landwirtschaft flankieren. Dabei ist vorzubeugen, dass die Flächenkonkurrenz durch außerlandwirtschaftliche Investoren nicht noch mehr steigt.

THG-Emissionen in Deutschland 

 
 
 

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