Sackgasse MOX

Text: Gutachten Porschke/Öko-Institut von 1999

1. Meine Vorab-Bemerkung:
Es geht darum, die problematischste und den WAA-Kreislauf vermeidende Verarbeitung zu MOX, das wieder in AKWs eingesetzt wird, zu vermeiden. Dieser Weg wird ja bei dem – nach der jetzigen Entscheidung nach La Hague transportierten – Kalkar-Kern gewählt. Vor allem wird der MOX-WEeg auch beschritten bei den aus deutschen AKWs stammenden BE`s, die in La Hague ( und Sellafield?) lagern oder die bis Juli 2005 noch dorthin geschickt werden. Unsere französischen Grünen FreundInnen haben daran erhebliche Kritik, weil damit die gefährliche MOX-Fabrik im Süden Frankreichs bedient und dessen Ausbau mit dem Zusatzbedarf aus deutschen AKWs legitimiert wird. Der AK Energie der französischen Grünen hat unsere BAG Energie – auf dem gemeinsamen treffen Anfang Juli 2003 in Strassburg – um Unterstützung nachgesucht.

Das Gutachten – s. u. – stellt nun mehrere Alternativen zum MOX-Weg dar, die ungefährlicher, nicht teurer und verhältnismässig schnell zu realisieren seien. Das wurde von Alexander ausdrücklich gestützt und an Jürgen so weiter gegeben. Von grossem Interesse ist jetzt zu wissen, warum eine Realisierung von Altarnativen – insbes. die Vetrglasung von Plutonium – nicht weiter verfolgt wurde. Wer hat das blockiert? Wahrscheinlich die beteiligte Industrie? Das Interesse der AKW-Betrieber, den unsäglichen MOX-Weg fortzusetzen, weil er der billigere ist ( schliesslich haben die die BEs an die WAA zur Verarbeitung verkauft)?

Zum aktuellen Kalkar-Kern-Konflikt: nach meinen Infos gibt es eine Anlage zur Verglasung, die für die Entsorgung der hochaktiven Abfälle der WAK (Karlsruhe) gebaut worden ist. Verbunden mit einer Anlage zur Verflüssigung der Plutoniums hätte die zur Verglasung auch des Kalkar-Kerns eingesetzt werden können. Die WAK hat diese Zusatzanlage entweder nicht gebaut oder eine bestehende abgebaut. Der ganze Betrieb ist übrignes zu 90% Eigentum des Bund, zu 10% von BaWü. Verantwortlich im Bund ist das Forschungsministerium. Der Transport nach La Hague und die Bedienung des unsäglichen MOX-Kreislaufs hätte also bei etewas vorsorgender Vernunft im Forschungsministerium vermieden werden können. Die ist dort offensichtlich nicht vorhanden bzw. die Atomlobby in der Wissenschaftsbürokratie ist zu stark.
Ich verstehe nicht, warum so eisern an der MOX-Linie in Deutschland festgehalten wird.

Hartwig Berger

2. Gutachten von Porschke/Öko-Institut

Umweltsenator Alexander Porschke und Christian Küppers, Atomexperte vom Öko-Institut Darmstadt, stellen Gutachten zur Plutonium-Behandlung vor Ausstieg aus dem Teufelskreis:
Alternativen zum Wiedereinsatz von Plutonium in Atomkraftwerken Was soll mit dem Plutonium geschehen, das bei der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente abgetrennt wurde? Vier Alternativen zum Einbau des gefährlichen Stoffes in Mischoxid-Brennelemente und deren Einsatz in Atomkraftwerken hat das Öko-Institut im Auftrag der Hamburger Umweltbehörde untersucht. Ergebnis der Begutachtung: Sowohl die Herstellung von speziellen Lagerstäben als auch die Verglasung des Plutoniums – beide Methoden in jeweils zwei Varianten untersucht – sind technisch machbar, kurzfristig zu realisieren und ähnlich teuer wie der Einsatz von Mox-Brennelementen.
Dieses Ergebnis des Gutachtens haben Umweltsenator Alexander Porschke und der Atomexperte Christian Küppers, Mitarbeiter des Öko-Instituts Darmstadt und Mitglied in der Strahlenschutzkommission beim Bundesumweltministerium, heute in Hamburg vorgestellt. Bezieht man die Frage der Rückstellungen für Entsorgungsmaßnahmen ein, so könnte der Ersatz der Mischoxid-Brennelementetechnik für die Energieversorger sogar deutlich kostengünstiger werden. Denn die hierfür bei den Unternehmen gebildeten steuerfreien Rückstellungen in Milliardenhöhe müssen nach dem neuen Steuerentlastungsgesetz aufgelöst und versteuert werden. Für eine neu einzuführende Entsorgungstechnik könnten allerdings wieder Rücklagen gebildet werden, verbunden mit den entsprechenden Steuervorteilen.

Umweltsenator Porschke: „Wir müssen aus dem Teufelskreis der Plutoniumwirtschaft aussteigen. Die Notwendigkeit, waffenfähiges Plutonium in eine für Atombomben untaugliche Form zu bringen, erzwingt keinesfalls den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke. Das nun vorgelegte Gutachten zeigt gangbare Alternativen auf, die heute sogar kostengünstiger sind.“

Das Problem: Zwischen 26 und 29 Tonnen Plutonium, abgetrennt von abgebrannten Brennstäben aus deutschen Atomkraftwerken, lagern bei den sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen, vor allem im französischen La Hague, aber auch in Sellafield. (Davon stammen rund 3,2 Tonnen aus Anlagen der HEW) Würden alle bestehenden Verträge zur Abtrennung von Plutonium erfüllt, so kämen insgesamt 30 – 35 weitere Tonnen hinzu. Der Stoff ist nicht nur hochgiftig, er eignet sich auch zur Herstellung von Atombomben.

Der einzige Weg, der bisher beschritten wurde, um das Plutonium in eine waffenuntaugliche Form zu bringen, ist der Einbau in Mischoxid-Brennelemente, die als Brennstoff in Atomkraftwerken eingesetzt werden. Abgebrannte MOX-Elemente haben zwar einen ähnlich hohen Plutoniumanteil, durch seine hohe Strahlung schützt sich das Material jedoch selbst. Der entscheidende Nachteil der Methode ist, daß sie laufende Atomkraftwerke benötigt und damit den Teufelskreis der Plutoniumwirtschaft schließt statt einen Ausweg zu bieten.

Das Gutachten des Öko-Instituts hat nun vier Varianten der Plutoniumbehandlung untersucht, die ohne den Betrieb von Atomkraftwerken auskommen. Das Prinzip ist immer das gleiche: Das Plutonium wird chemisch-physikalisch gebunden und zusätzlich durch hohe Strahlung vor Mißbrauch geschützt.

In zwei Varianten hat das Öko-Institut die Methode der Verglasung von Plutonium untersucht. Das sogenannte „Can in Canister“-Verfahren, das ursprünglich in den USA für die Behandlung von Waffenplutonium entwickelt wurde, bindet das Plutonium in eine Keramik, die dann in einen Edelstahlbehälter montiert wird. Der Behälter wird mit Borsilikatglas, in das hochradioaktiver flüssiger Abfall eingebracht wurde, gefüllt und verschlossen. Dieses Verfahren kann in den Wiederaufarbeitungsanlagen durchgeführt werden, großtechnische Erfahrungen für die einzelnen Verarbeitungsschritte liegen vor. Einer neu zu errichtenden Verglasungsanlage bedarf es für die zweite Methode, bei der Plutonium zusammen mit hochradioaktivem flüssigem Abfall direkt verglast wird. Falls diese Anlage auch andere radioaktive Abfälle behandeln würde, wäre diese Methode wegen des Verzichts auf die Herstellung der Keramik wesentlich kostengünstiger.

Die Fertigung von Mischoxid-Lagerstäben ist eine weitere Möglichkeit des Umgangs mit Plutonium. Hierbei könnten ganze Elemente aus solchen Lagerstäben angefertigt werden, die dann gemeinsam mit abgebrannten Brennelementen in Lagerbehältern eingeschlossen würden. Oder aber es werden einzelne Stäbe abgebrannter Brennelemente gegen Lagerstäbe ausgetauscht.

In beiden Fällen liefert der abgebrannte Brennstoff die hohe Strahlung zum Schutz.

Die Umweltbehörde hat das vorgelegte Gutachten an Umweltminister Trittin gesandt, um ihn bei seinen Verhandlungen in Richtung Atomausstieg mit einem Hamburger Beitrag zu unterstützen.

Rückfragen bitte an die Pressestelle der Umweltbehörde

Brigitte Köhnlein/Heike Brandstädter Tel.: 428 45-3248/49

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